Carsten Kümmel: Snare Mikrofonierung

Carsten Kümmel Copyright Trine Thybo

Es ist mir eine Ehre und ein besonderes Vergnügen meinen ersten Interviewpartner vorzustellen. Er ist einer der besten Live-Mischer und die Liste seiner Referenzen ist lang und eindrucksvoll: von Thomas Quasthoff bis B.B.King, von Till Brönner bis zu Papstbesuchen mischt Carsten in der absoluten Oberliga. Die letzten Jahre betreute er große Orchester-Tourneen durch die Hallen und Stadien Deutschlands als FoH Engineer, dieses Jahr The world of Hans Zimmer . Dabei bleibt er stets bescheiden: “Wir haben ein gutes Team.” Neben seiner Tätigkeit als Diplom-Tonmeister hat Carsten eine Professur für Public Address and Live Recording inne und unterrichtet nicht nur an der Hochschule Darmstadt, sondern auch in Detmold, an der Pop Akademie und an verschiedenen anderen Hochschulen. Ganz aktuell ist Carsten in den Kreis der SuperSecretAgents aufgenommen worden, eine Ehre die ihm als ersten Live-Mischer und als ersten Europäer zuteil wird.

Wir wollen heute die Methode betrachten, die Carsten nutzt um eine Snare zu mikrofonieren. Zuerst die Auswahl des Mikrofons: üblicherweise ein Shure SM57, “das hat genug Höhen”, es kann aber auch ein Audio Technica AE3000 oder ein Sennheiser MKH40 sein. Im Livebetrieb wird das Mikrofon aus Platzgründen gerne mit einer Klemme befestigt. Isolatoren braucht er keine: “Übersprechen macht alles natürlicher.”

Um die richtige Position zu finden lässt Carsten das Mikrofon von einem Kollegen verschieben, während der Drummer spielt. Er beginnt etwa 2-3cm über der Snare und 1cm innerhalb des Rims. Die “Blickrichtung” des Mikrofons ist auf die Mitte des Schlagfells. Dann wandert das Mikrofon langsam nach außen und seitlich an der Snare nach unten. Das Ziel ist einen Sweetspot zu finden, in dem das Verhältnis zwischen Tone und Teppich des Instruments ausgewogen ist. Um den Tone zu verstärken kann der Nahbesprechungseffekt genutzt werden oder das Mikrofon wird steiler Richtung Snare geneigt. Über dem Rim wird der Klang härter. Soll der Teppich betont werden, geht man über das Rim hinaus und nach unten.

Ist die richtige Position gefunden, werden die Overheads platziert: beide sollen den gleichen Abstand zum Snaremikrofon haben. Carsten passt mit einem Delay die Laufzeitunterschiede zwischen den Mikrofonen an und überprüft ob die Polarität des Snare Mikrofons stimmt, im Grundtonbereich kann man gut hören ob es zu Auslöschungen oder Additionen kommt. Snare- und Overheadmikrofone haben etwa jeweils zur Hälfte Anteil am Klang, der später aus den Lautsprechern kommt.

Der Schwerpunkt liegt auf Positionierung und Balance, der Rest ist vielleicht noch 10%.

Carsten Kümmel

Hier könnten wir eigentlich aufhören. “Der Schwerpunkt liegt auf Positionierung und Balance, der Rest ist vielleicht noch 10%. EQ hat nicht mehr den Stellenwert.” Wenn überhaupt, wird ein Lowcut bei etwa 120Hz gesetzt und der Grundton des Instrumentes bei 150-180Hz angehoben. Und es gibt noch weitere Tipps: “Die Dynamik kommt vom Schlagzeuger.” Carsten nutzt einen Kompressor um den Anschlag härter zu machen. Die Attackzeit wird so eingestellt, dass der Anschlag noch durchkommt, bevor die Kompression einsetzt. Der Körper wird mit 2-3 dB leicht ankomprimiert. Um die Snare abzurunden, benutzt Carsten einen sehr kurzen Plattenhall mit vielen frühen Reflektionen. “Hell und kurz” ist das Stichwort. Das liefert beispielsweise der EMT 140 Plattenhall.

Alles in allem ist diese Methode von Carsten übersichtlich, strukturiert und zielführend. Mit dem Snare-Mikrofon Klassiker, der richtigen Position und der richtigen Balance kann man schon sehr gute Ergebnisse erzielen. Der Rest ist Kür.

Lieber Carsten, vielen herzlichen Dank für dieses Interview und Deine Methode. Ich wünsche Dir auch weiterhin viel Erfolg und hoffe wir sehen uns an dieser oder anderer Stelle wieder.

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